Geschichte Kladruby nad Labem
Kladruby nad Labem liegt in den Elbniederungen ca. 20 Kilometer östlich von Kolín und neun Kilometer westlich von Prelouc. Die ersten schriftlichen Erwähnungen stammen aus dem 12. Jahrhundert, als Kladruby zum Kloster Litomyšl gehörte, später zu Sedlec bei Kutná Hora. Der Name der Gemeinde leitet sich von „rubání klád“ ab, d.h. Schlagen von Baumstämmen, was sich auf das Abholzen der Wälder in der Niederung beziehen könnte.
Wilhelm von Pernstejn erwarb 1491 die Herschaft Pardubice und später auch Kladruby. Er ließ das Elbflußbett regulieren und legte das Kladruber Gehege an. In diesem beschäftigten sich bereits zu dieser Zeit die von Pernstejns mit der Pferdezucht. Bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war Kladruby im Eigentum der Adelsfamilie Pernstejn.
Nach politischen und wirtschaftlichen Änderungen kauften die böhmischen Stände das Pardubicer Herrschaftsgebiet einschließlich dem Kladruber Wildgehege und schenkten es im Jahr 1560 dem Habsburger und östereichischen Erzherzog Maximilian im Ausblick auf seine Krönung zum König von Böhmen. Später wurde er zum römisch-deutschen Kaiser Maximilian II. ernannt.
Im Jahr 1552 ließ der spätere Kaiser Maximilian II. Pferde aus Spanien und Italien zuerst nach Wien, dann auch nach Kladruby bringen, auf deren genetischer Basis die heutige Rasse des „Altkladruber Pferdes“ entstand. Der Sohn von Maximilian II., Kaiser Rudolf II., erhob 1579 das ursprüngliche Kladruber Wildgehege zum kaiserlichen Hofgestüt. Ein Jahr vor der Gründung des Gestüts Lipizza, am 24.04.1579 unterschrieb Kaiser Rudolf II. auf der Prager Burg die Gründungsliste des Gestütes in Kladruby nad Labem. Das Gestüt Kladruby nad Labem ist somit eines der ältesten Gestüte der Welt.
Im Laufe der Jahre wurde die Pferdezucht in Kladruby auf spanisch-neapolitanische Fahrpferde für den k.k. Hof spezialisiert. Jahrhunderte lang standen die Altkladruber Pferde im Dienste der Monarchen. Jeder Zeit mussten zwei Schimmel- und zwei Rapp-Achtspänner verfügbar sein. Die Schimmel wurden zu Zeremoniezwecken des Hofes angespannt, die Rappen kamen bei kirchlichen Anlässen zum Einsatz. Das für Reitzwecke vorgesehene Pendant war der Lipizzaner, dessen Zucht in dem Gestüt Lipizza seit 1580 erfolgte.
Bis zur Verstaatlichung des Gestüts Kladruby 1918 befand es sich im Besitz der Habsburger. Die Zucht des Altkladrubers konnte trotz politischen und gesellschaftlichen Hindernissen ununterbrochen durchgeführt werden.
Im „Siebenjährigen Krieg“ wurde 1757 nach der Schlacht bei Kolín der österreichische Sieg über den Preußenkönig Friedrich II. auch in Kladruby gefeiert. Dabei brannten am 10.Juli 1757 das Schloss, die Kirche und das gesamte Gestüt ab. Alle schriftlichen Dokumente gingen dabei verloren, Abstammungsnachweise sind nur bis 1764 zurückzuverfolgen. Der Kladruber Zuchtbestand war aufgrund der Gefahren, die der Krieg mit sich brachte, bereits vorher nach Enyed (auf der damals ungarischen Grossen-Schütt-Insel) und Koptschan evakuiert worden.
Erst 1770 gab Joseph II. den Befehl zum Wiederaufbau des Hofgestüts in Kladruby. Weiterhin ließ er den vom Schloss 500 Meter entfernt gelegenen Josefhof bauen, der auch heute noch für Zuchtstuten genutzt wird. In den Folgejahren bis 1799 wurden die kladruber Zuchtbestände von Enyed und Koptschan sowie einige Stuten aus Lipizza in die neuen Stallungen nach Kladruby gebracht.
Die Pferdezucht konnte nun auf dem Gestüt Kladruby mit Erfolg betrieben werden. Franz I. ließ aufgrund des expandierenden Pferdebestandes neue Stallkapazitäten schaffen. Im ca. 3,5 Kilometer entfernten Selmice wurde 1831/32 der Franzenshof fertiggestellt. In diesen Stallungen erfolgt bis heute die Aufzucht der Jungpferde. Nach dem Absetzen werden die Fohlen auf den Franzenshof gebracht. Sie wachsen in Laufställen mit täglichem Weidegang in großen Herden auf, bis sie drei- bzw. vierjährig für ihre Ausbildung in die Stallungen Kladrubys gebracht werden. In Selmice befindet sich der längste Laufstall für Pferde der Tschechischen Republik. Der neue Beschälerstall, ebenfalls im Auftrag von Franz I. gebaut, wurde erst 1836 fertiggestellt und von dem neu gekrönten böhmischen König Ferdinand I. eingeweiht.
Nach der Auflösung des Hofgestüts Koptschan wurde 1826 die bisher dort betriebene Vollblutzucht nach Kladruby verlegt. Sowohl Vollblüter als auch Altkladruber waren während dieser Periode züchterisch erfolgreich. Der Versuch, die Altkladruber mit Vollblütern zu veredeln, brachte jedoch keine erfolgreichen Zuchtergebnisse.
Der Pferdebestand Kladrubys musste aufgrund des Krieges mit Preußen im Jahr 1866 vorübergehend evakuiert werden. Noch im gleichen Jahr konnten sie wieder in ihre Stallungen nach Kladruby zurückkehren. Seitdem erfolgt an diesem Ort die Pferdezucht ohne große Störungen.
Auch Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Sisi waren regelmäßig in Kladruby zu Besuch, wenn sie zu dem Grossen Pardubicer Steeplechase „Velká Pardubická Steeplechase“ (Pardubice liegt ca. 20 Kilometer östlich von Kladruby) reisten. Das Kaiserpaar begeisterte sich für Pferderennen, und war bereits bei der Eröffnung dieses Rennens 1874 anwesend. Noch heute sind die Arbeitszimmer der kaiserlichen Eheleute in dem Schloss eingerichtet.
Seit 1918 befindet sich das Gestüt im Eigentum des tschechoslowakischen bzw. tschechischen Staats. Mit dem Ende der Monarchie fiel das Haupteinsatzgebiet des Altkladrubers als adliger Karossier weg. Die Zucht der Altkladruber Pferde wurde weniger intensiv betrieben und um 1930 waren die Altkladruber Rappen vom Aussterben bedroht. Prof. Bilek leitete ab den Dreißiger Jahren die Regeneration dieser Pferde ein, indem er alle in Tschechien und in der Slowakei befindlichen Altkladruber Rappen aufsuchte, sie zunächst nach Pruhonice bei Prag und 1945 in das Gestüt Slatiòany brachte. Noch heute werden die Schimmel in Kladruby, die Rappen in Slatiòany gezüchtet.
Zu Zeiten des Kommunismus wurde das Gestüt Kladruby als landwirtschaftlicher Großbetrieb mit Rinder- und Schweineproduktion geführt. Die Pferde konnten aufgrund ihres Status als einzige bodenständige Pferderasse und durch den Einsatz verantwortungsvoller Betriebsleiter erhalten bleiben.
Im Jahre 1952 wurde in Kladruby eine Berufsschule mit Spezialisierung auf Pferdepflege und Reiten eingerichtet. Die Kooperation mit dieser Institution ist sehr gut. Die jungen Auszubildenden können auf dem Gestüt ihre praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit und von den Pferden lernen.
Seit 1992 bilden die Gestüte Slatiòany und Kladruby gemeinsam das Nationalgestüt Kladruby nad Labem und unterliegen dem Landwirtschaftministerium in Prag.
Geschichte Slatiòany
Die Stadt Slatiòany liegt in Ostböhmen ca. 15 km südlich von der Kreisstadt Pardubice. Die leicht hüglige Landschaft weist auf den Beginn des Eisengebirges (Zelezne hory) hin, welches Richtung Osten verläuft. Am 01.07.1971 wurden Slatiòany die Stadtrechte anerkannt. Mit den Ortschaften Škrovád, Kunèí, Trpišov und Kochánovice umfasst die Gemeinde Slatiòany heute etwa 4000 Einwohner.
Die ersten schriftlichen Erwähnungen von Slatiòany stammen aus dem Jahr 1294. Bereits in dieser Zeit stand in Slatiòany eine Feste. Diese wurde ab 1580 von Ulrico Aostalli im Auftrag von Bohuslav Mazanec von Frymburk in den Renaissance Stil umgebaut. Seit 1747 war Slatiòany im Besitz der Familie von Auersperg. Am Übergang des 18. zum 19. Jahrhunderts veranlassten sie Umbauten des Schlosses im klassistischen Stil. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde südlich vom Schloss der noch heute erhaltene 16 ha große Schlosspark im englischen Stil mit vielen seltenen Gehölzarten angelegt.
1898 ließ Familie von Auersperg neben dem Schloss ein Gestüt für die Zucht und Haltung von Rennpferden und Pferden für Parforcejagden bauen. Das Gebiet der Pardubicer Herrschaft war königliches Jagdgebiet, zudem wurde seit 1874 jährlich in Pardubice das bekannte Grosse Pardubicer Steeplechace (Hindernisrennen) ausgetragen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten F. Schmoranz und B. Škvor einige neogotischer Veränderungen am Schloss durch, bei dem jedoch bis heute der Renaissance Baustil überwieget.
Der Besitz ging nach der Heirat einer Tochter von Auersperg mit einem Trauttmansdorf an diese Familie über, welche jedoch nur bis 1945 Eigentümer war. Im Jahr 1945 kam es zur Verstaatlichung des Anwesens und es wurde zunächst Versuchsgut. Ab 1948 diente es als Forschungsinstitut für Pferdezucht. Prof. Dr. F. Bílek von der Hochschule in Prag, begann in dem Jahr 1947 in dem Schloss ein Pferdemuseum der besonderen Klasse einzurichten. Heute umfasst das Pferdemuseum Slatiòany über 30 Zimmer, in denen die Entwicklung des Pferdes von seiner Entstehung vor 55 Millionen Jahren bis heute dokumentiert ist. Auch die Pferdezucht und die Rolle des Pferdes unter der Monarchie und beim Bürgertum sind in Wissenschaft und Kunst dargestellt. Integriert ist eine Fachbibliothek mit antiken und kostbaren hippologischen Büchern. Das Schloss wird gegenwärtig vom Kreiszentrum für staatliche Denkmalpflege verwaltet.
In die Stallungen des Anwesens brachte Prof. Bilek im Jahre 1945 die Herde der Altkladruber Rappen, deren Regeneration er sich zur Aufgabe gemacht hatte. Ihre Zucht erfolgt bis heute in Slatiòany.
Anfang der Achtziger Jahre bis Mitte der Neunziger Jahren befand sich in Slatiòany die zentrale Hengstleistungsprüfungsanstalt für Warmblüter der Tschechoslowakischen Republik.
Das Gestüt Slatiòany ist seit 1992 ein Teil des Nationalgestüts Kladruby nad Labem. Das Gestüt Slatiòany ist derzeit in folgende vier Aufgabenbereiche eingeteilt: Pferdezucht mit vier Abteilungen (Zucht, Aufzucht in Slavice, Ausbildung in Slatiòany, Ausbildung in Heømanùv Miestec), Gestütsleitung, Pflanzenproduktion/Technik und die zentrale Erfassungsstelle für die Pferde der Tschechische Republik (außer Engl. Vollblut und Traber).
Geschichte Altkladruber
Das Altkladruber Pferd gehört zu den Warmblutpferden. Er wird auf der Basis von altspanischen und altitalienischen Genen seit über 425 Jahren ohne Unterbrechung in der Tschechischen Republik gezüchtet. Es handelt sich um die einzige ursprüngliche tschechische Pferderasse, daher wird sie auch als böhmische Rasse bezeichnet. In Mitteleuropa ist der Altkladruber das älteste planmäßig gezüchtete Kulturpferd. Zunächst erfolgte die Zucht in allen Farbschlägen, später nur noch als Schimmel und Rappen. Das Gestüt hatte die Hauptaufgabe dem k.k. Hofe jederzeit zwei Achtspänner Schimmel für staatliche Anlässe und zwei Achtspänner Rappen für kirchliche Anlässe bereit stellen zu können.
Bei einem Brand des Gestüts wurden 1757 alle Dokumente vernichtet, so reichen die heutigen Abstammungsnachweise nur bis zum Jahr 1764 zurück. In diesem Jahr wurde der Altkladruber Stammvater, der Rapphengst Pepoli, in Italien geboren. Dieser Hengst hatte einen wesentlichen Einfluss auf die Altkladruber Zucht (Generale und Generalissimus).
Aufgrund der geringen Populationsgröße wurden gelegentlich passende Rassen in die Zucht des Altkladrubers eingesetzt. Als geeignet erwiesen sich spanische und italienische Pferde im barocken Typ.
Es existieren fünf Hengststämme der Schimmel (Generale, Generalissimus, Sacramoso, Favory, Rudolfo) und vier Hengststämme der Rappen (Sacramoso, Solo, Siglavi Pakra, Romke). Sacramoso war sowohl Stammgründer bei den Schimmeln als auch bei den Rappen. Die ältesten Hengststämme entstanden mit den Hengsten Favory (geb.1779), Generale (geb.1787, v.Pepoli), Generalissimus (geb.1797, v.Pepoli), Sacramoso (geb.1800) und Napoleone (1845).
Mit dem Untergang der Monarchie Anfang des 20. Jahrhunderts fiel für die Altkladruber der Einsatz als k.k. Karosseriepferde weg, was zu einer Reduzierung der Population führte. Im Jahr 1922 kam es zum Aussterben des Napoleonestammes. Die Erhaltung der Altkladruber Rappenpopulation war damit bedroht. Mit dem Altkladruber Hengst Solo (geb.1927, v.Sacramoso) entstand ein neuer Hengststamm der Rappen.
Nach dem ersten Weltkrieg war die Zucht des Altkladruber Pferdes erneut von Problemen behaftet. Es stieg der Bedarf an Arbeitspferden für die Landwirtschaft, somit kamen weitere Pferderassen (Warmblüter, Lipizzaner) nach Kladruby. Der Bestand an Altkladrubern wurde reduziert. Bald befanden sich nur noch einige Altkladruber Schimmel und wenige Rappen auf dem ehemaligen Hofgestüt. Die vier bestehenden Hengststämme der Schimmel konnten erhalten bleiben.
Bei den Rappen spitzte sich die Situation zu. Sie wurden an Privatleute verkauft oder nicht mehr in der Zucht eingesetzt. Anfang der Dreißiger Jahre erkannte der Hochschullehrer Prof. Bílek, dass die Zucht der Rappen stark gefährdet war und leitete deren Regeneration ein. Prof. Bílek suchte die Altkladruber Rappen in Tschechien und in der Slowakei auf und bildete aus ihnen eine Herde, die er 1939 zuerst nach Pruhonice bei Prag brachte. Im Jahr 1945 wurde die Altkladruber Rappherde in das Gestüt Slatiòany gebracht, wo deren Zucht bis heute, seit 1992 als Teil des Nationalgestüts Kladruby nad Labem, erfolgt. Während der Regeneration wurden Altkladruber Schimmel, Lipizzaner und Friesen eingesetzt. Der schwarze Lipizzanerhengst Siglavi Pakra (geb.1946) und der Friesenhengst Romke (geb.1966) gründeten jeweils eigene Hengststämme bei den Altkladruber Rappen. Ein neuer Hengststamm der Schimmel entstand mit dem Lusitanohengst Rudolfo (geb.1968). Nach Prof. Bílek setzten Dr. Lev Richter und Doc. Ing. Jaromír Dusek seine Arbeit fort.
Mitte der Siebziger Jahre war die Regeneration beendet. Heute ist das Zuchtbuch des Altkladruber Pferdes geschlossen.
Altkladruber Pferde waren an der Gründung zweier Hengststämme der Lipizzaner beteiligt, nämlich die des Favory und des Maestoso. Auch in die Zucht der ungarischen Warmblutrasse Nonius wurden Altkladruber eingesetzt.
Das Altkladruber Pferd wurde 1995 zum Kulturdenkmal, und am 1.1.2002 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt. Neben weiteren Altkladruber Stuten und Beschälern befindet sich im Gestüt Kladruby die Stammherde der Schimmel (65 Stuten und 4 Zuchthengsten).
Heute findet der Altkladruber neben dem Einsatz im Fahrsport, in der Barockreiterei, in der Dressur, als Polizeipferd und als Freizeitpferd auch wieder zu seiner ursprünglichen Aufgabe zurück. So kaufte das dänische Königshaus 1994 im Kladruber Gestüt sechs Altkladruber Schimmelhengste als Karossierpferde. Auch das schwedische Königshaus hat seit 2005 Altkladruber Schimmel. |