Geschichte der Zucht

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Geschichte der Zucht

DIE SEIT ÜBER 400 JAHREN KONTINUIERLICH GEZÜCHTETEN  ALTKLADRUBER PFERDE ZÄHLEN ZU DEN ÄLTESTEN PFERDERASSEN. ES HANDELT SICH UM EINE WARMBLUTRASSE, DIE AUF DER GRUNDLAGE DES ALTSPANISCHEN UND ALTITALIENISCHEN BLUTS ENTSTAND. DAS ZUCHTZIEL IST  GALAKAROSSIER – EIN STARKES, FÜR ZEREMONIELLEN UND REPRÄSENTATIVEN DIENST BESTIMMTES KUTSCHENPFERD.

In der zweiten Hälfte des 16. und vor allem im 18. Jahrhundert traf in Europa ein Aufschwung der Pferdezucht ein. Herrscher und ihre Familien, aber auch weltlicher und kirchlicher Adel, gründeten Gestüte. In den Ländern der tschechischen Krone war es nicht anders. Das ehemalige Hofgestüt in Kladruby nad Labem wurde im Kladruber Gehege in der kaiserlichen Herrschaft von Pardubice durch Rudolf II., und zwar auf Grund eines auf der Prager Burg erlassenen Dekrets vom 24. April 1579, gegründet.

Während der ersten zwei Jahrhunderte seiner Existenz blühte das Gestüt und ging nieder, je nach den Finanzmöglichkeiten, Vorlieben und Bedürfnissen der Herrscher. Die größten Verluste erlitt es im Verlauf des „Siebenjährigen Kriegs“, als das Kladruber Zuchtmaterial ins Gestüt von Eneyedu in Ungarn umgesiedelt wurde und dort bis 1771 verblieb. Am 10. Juni 1757, zur Feier des Sieges General Laudons in der  Schlacht bei Kolin, brannte das Gestüt samt aller züchterischen Dokumente aus und wurde danach an die holländische Firma Tuissant vermietet, die es als Textillager nutzte. Erst 1770 ließ Kaiser Josef II. das Gestüt in Kladruby neuerrichten und berief das gesamte Zuchtmaterial zurück. Die Aufgabe des Kladruber Gestüts war es, gewaltige graziöse Karossiere in verschiedenen Farben zum kaiserlichen Hof zu liefern, wie es die herrschende Hofetikette und zeitgenössische Mode erforderte.

Bis zur ersten Staatswende 1918 wurden von Kladruby Kutschenpferde in die Hofställe geliefert. Zur Zeit Rudolfs II. nach Hradschin in Prag, und von der Regierungszeit seines Bruders Matthias II. sowie zur Zeit aller seiner Nachfolger auch nach Wien. Zu diesem Zweck diente zuerst die Herde der spanischen und spanisch-italienischen Pferde. Diese mussten hier auf Grund von kaiserlichen Erlässen reinrassig und konservativ behalten werden. Dies wurde auch in den Zeiten verlangt, wo sie Ende des 18. und Anfangs des 19. Jahrhunderts, durch zunehmendes Allgemeininteresse für  die Zucht der englischen Pferde und mangels Nachfrage diese Pferderassen, sogar in ihrer ursprünglichen Heimat zu Grunde gingen.

Da die italienisch-spanischen Pferde nirgendwo anders zu bekommen waren, wurde die Bezeichnung „Altkladruber Pferd“ zum neuen Namen ihrer Rasse, unter dem sie in hippologischen und zoologischen Büchern aufgeführt wurden. Seitdem wird unter diesem Namen auf ihre weitere Existenz hingewiesen. Sie wurden in zwei Herden von Rappen und Schimmeln behalten, obwohl hier bis zu den 30er Jahren des 19. Jh. auch eine Herde Altkladruber Braunen gehalten wurde. Diese wurde jedoch durch Kreuzung mit holländischen Hengsten entwertet und deshalb abgeschafft.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Kladruby die Zucht von Kutschenpferden Cleveland – Baye, den Clevelander Braunen, für den üblichen Kutschendienst am Hof eingeführt. Diese waren Pferde eleganter Gestalt mit einer wunderschönen Nackenhaltung in der Bewegung. Sie waren für ihre Ausdauer, Schnelligkeit, und auch trotz ihrer höheren, kadenzierten Gangweise, für eine einfache Manövrierfähigkeit bekannt.

Als nach der Wende im Jahre 1918 der tschechoslowakische Staat das Kladruber Gestüt übernahm, wurde entschieden, das Gestüt zum Zweck der Erzeugung von Deckhengsten für Landeszüchten der einzelnen Länder der Tschechoslowakei zu benutzen. Ihre bisherigen Quellen in den ehemaligen österreichischen und ungarischen staatlichen Gestüte in Radautz, Bukowina, Piber usw. sind nämlich nach dem Untergang der Ungarisch-Österreichischen Monarchie, zu Grunde gegangen und das Zuchtmaterial wurde unter den einzelnen Nachfolgerländern aufgeteilt. Somit kam nach Kladruby aus Piber ein Teil der Mütter und Hengste der englischen und englisch-arabischen Halbblutpferde, nämlich Przedswit, Gidran, Furioso und North-Star, und aus Radovec auch Zuchtstuten dieser Stämme. In Kladruby wurden während des ersten Weltkriegs auch drei Jahrgänge der Lipizzaner Fohlen untergebracht, die nach der Staatswende in den Staatbesitz gelangten und 1923 nach Topolčianky versetzt wurden. Von der ursprünglich sehr verbreiteten Zucht der Altkladruber Pferde wurde bis zur Entstehung der Tschechoslowakei ein Rest dieser Pferderasse behalten, die in zwei Farbvarianten gezüchtet wurden – Schimmel mit den väterlichen Linien Generale und Generalissimus, und Rappen mit den Linien Sacramoso und Napoleone.

Nach 1918 wandte sich der Hass gegenüber allen Hinweisen auf die Habsburger Herrschaft sogar gegen die Pferdeherden des ehemaligen k. k. Hofgestüts. Es wurde entschieden, sowohl die Herde der Altkladruber Schimmel und Rappen als auch der Clevelander Braunen abzuschaffen, weil diese als ungeeignete Rassen für die neuen Zwecke des Gestüts galten.

Nach großen Schwierigkeiten geling es schließlich doch in Kladruby, die historische Herde der Altkladruber Pferde als ein zootechnisches Unikat der Tschechoslowakei zu behalten, wobei aktive Rettungsbemühungen sogar aus dem Ausland kamen. Es wurde also beschlossen, die Schimmelherde in einem verringerten Maß zu behalten, während die Rappen, welche als weniger edel bzw. als ordinäre Zugpferde betrachtet wurden, stillschweigend zu einer zunehmenden Abschaffung verurteilt wurden.

Ihre Liquidation begann durch den Verkauf des Stammhengstes Napoleone Solo (eines Rappen in voller Lebenskraft) zum Schlachten, und es wurde beschlossen, sein Geschlecht im Nachwuchs nicht weiter zu behalten. Zum Decken der Altkladruber Rappenstuten wurde bis zum Ende ihres Lebens ein einziger reinblütiger Hengst behalten – der Rappe Sacramoso XXVII - Aja. Aus den heutzutage verfügbaren Einträgen des damaligen Gestüts ergibt sich die Bemühung, die Herde der Rappenstuten bald abzuschaffen. Diese Liquidation wäre schneller vorangegangen, wenn gerade diese Rappen nicht die stärksten und besten Zugpferde im Gestütsbestand gewesen wären. Es war ja schon immer so, ob in Kladruby oder in Wien, dass Rappen neben allfälligen Trauerzügen am Hof, auch in Kutschen und im Dienst des Bauamts eingesetzt wurden. Sie fanden bei der Zugarbeit, beim Ackern oder Einfahren der Ernte von Wiesen und Feldern sowie des Holzes aus dem Wald Anwendung. (Die in unserer hippologischen Literatur verbreiteten Hinweise, dass die Altkladruber Pferde nur zu Zeremonien der spanischen Etikette benutzt wurden, entsprechen also nicht der Realität.)

1925 kam es zu einer erheblichen Einschränkung der Altkladruber Rappenherde im Gestüt Kladruby nad Labem, die bis November 1931 dauern sollte. Ein Teil der Herde wurde dem Erzbischofsgut in Červená Řečice, in Chrast u Chrudimi, dem Hof in Průhonice sowie diversen Privatpersonen übergeben. 1931 übernahm die Wirtschaftsverwaltung des Zipser Bischofsguts in Jablunkov den Rest der Rappenherde, mit ihrem Zuchthengst Sacramoso XXIV. Durch diese Zuchtzersplitterung des Altkladruber Rappen von der Wiege seiner Herkunft begann der Untergang der Altkladruber Rappen, welche die einzige, jahrhundertelang in Böhmen gezüchtete einheimische Pferderasse darstellten. Zu ihrer Regeneration kam es erst dank dem Professoren der Hochschule für Landwirtschaft in Prag Dr.phil.et Dr.med. Frantisek Bílek, DrSc., der sie 1941 aufnahm.