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Die Rasse der Kladruber

Die Altkladruber oder auch nur als „Kladruber“ bekannten Pferde, die seit mehr als 400 Jahre kontinuierlich gezüchtet werden, stellen eine der weltweit ältesten Pferderassen und zugleich die älteste original-böhmische Pferderasse dar. Es handelt sich um eine Warmblutrasse, die zu den sog. Barockrassen gehört, und die auf der Grundlage altspanischen und altitalienischen Blutes entstand. Altkladruber wurden ursprünglich in verschiedenen Farbvarianten gezüchtet, jedoch seit dem Ende des 18. Jahrhunderts nur noch in Schwarz und in Weiß. Die Abstammung bzw. die Vorfahren der heutigen Pferde sind bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts dokumentiert, wobei sie in 5 klassische Vollblutstämme und 3 nichtklassische Vollblutstämme unterteilt werden. Das Ziel der Zucht ist der sog. Galakarossier - ein mächtiges Kutschpferd, das für zeremonielle und repräsentative Zwecke bestimmt ist. Für die zeremoniellen Zwecke des kaiserlichen Hofes wurden Schimmel verwendet, während die Rappen den hohen kirchlichen Würdenträgern dienten.

Typische Merkmale der Altkladruber Pferde sind der (konvexe) Ramskopf mit dem ausgeprägten, großen und regen Auge, der hoch angesetzte, mächtige, gewölbte Hals mit weniger erkennbarem Widerrist, der breite und tiefe Brustkorb, der mächtige, breite Rücken, das gute Knochenfundament und die steileren Schulterblätter, welche die typische Bewegung ermöglichen - elastische, kadenzierte und weiträumige Gangarten mit hoher Aktion der vorderen Extremitäten im Trab.

Der Stammhengst der Altkladruber Schimmel ist der Rappe Peppoli (1764), welcher der Vater des Schimmels Imperatore (1775) und dieser wiederum der Vater des Schimmels Generale war. Die Schimmel wurden in den beiden Linien Generale (gegr. 1787) und Generalissimus (gegr. 1797) sowie in vier Familien gezüchtet. Eine Familie wurde derart erweitert, dass sie sich in mehrere weitere aufspaltete. Die größte Vertretung hat die verzweigte Familie Almerina, die Namen der Vertreterinnen beginnen mit den Buchstaben A, E und P. Ihre gemeinsame Mutter war die Stute Alba VIII (Generale XXII), geboren im Jahre 1861. Die Familie C wurde im Jahre 1894 durch die Stute Cariera (Blue Boy) und die Familie R durch Ragusa, geboren im Jahre 1888, gegründet. Die jüngste Familie ist die Familie S, deren Gründerin die Stute Sardinia (Maestoso Gratia) ist.

Die Zucht der Altkladruber Rappen wurde ursprünglich in zwei Linien geführt, und zwar Sacramoso und Napoleone. Die Linie Napoleone erlosch im Jahre 1922. Die Linie Sacramoso wurde durch einen Rappen gegründet, der aus dem erzbischöflichen Gestüt Ries (bei Salzburg) stammte. Doch auch diese Linie war mit der Zeit dem Untergang geweiht, sodass lediglich die andere Linie der Sacramosa verblieb, die durch den im Jahre 1800 in Kroměříž geborenen Hengst Sacramoso gegründet wurde. Die derzeitige Zucht basiert auf vier grundlegenden Linien - Sacramoso, Solo, Siglavi Pakra und Romke. Die Zuchtstuten sind in 13 Familien eingestuft.

Während die Schimmel im Gestüt Kladruby nad Labem ohne Unterbrechung gezüchtet wurden, wurde die Herde der Rappen in den 30er Jahren fast völlig aufgelöst und verkauft. Im Jahre 1938 entschloss sich Prof. František Bílek, die Rappenzucht zu regenerieren. Hierzu wurden in der Forschungsstation für Pferdezucht in Slatiňany bei Chrudim genetisch verwandte Rassen genutzt - die Lipizzaner und die Altkladruber Schimmel. Der Regenerierungsprozess wurde im Jahre 1973 erfolgreich abgeschlossen, nunmehr verläuft die Phase der stabilisierenden Veredelung.

Das Nationalgestüt Kladruby nad Labem hat langfristig ca. 30 Zuchthengste und 130 Zuchtstuten (65 Schimmelstuten, 65 Rappenstuten) zur Verfügung. In der Nachzucht (bis zum Alter von 3,5 Jahren) befinden sich ca. 250 Pferde.

Seit 1996 gilt der Bestand der Altkladruber Pferde als gesichert, da es neben der Zucht im Nationalgestüt Kladruby nad Labem auch in Privatzuchten genügend hochwertige Zuchttiere gibt. Private Züchter finden wir auch andernorts im Ausland, hauptsächlich in Polen, in deutschsprachigen Ländern sowie in den USA und in Asien.

Das Altkladruber Pferd ist ein Weltunikat, sowohl im Hinblick auf seinen Ursprung, als auch als Beispiel der erfolgreichen Züchtungsarbeit, indem es gelang, eine einzigartige, original-böhmische Rasse wiederauferstehen zu lassen. Der ausgedehnte Komplex des Nationalgestüts wurde mit seinem Altkladruber Pferd im Januar des Jahres 1995 zum Kulturdenkmal erklärt. Zugleich ist die Rasse des Altkladruber Pferdes integrierter Bestandteil des Nationalen Programms des Landwirtschaftsministeriums der Tschechischen Republik, wobei ausgewählte Einzeltiere als genetische Ressourcen erfasst sind.

Das Altkladruber Pferd wurde über ganze Jahrhunderte zweckdienlich als Kutschpferd für den kaiserlichen Hof veredelt, wobei es natürlich auch in der Gegenwart seinen Platz und seine Bestimmung hat. Altkladruber Pferde sind wunderbar für Fahrsport und für die klassische Dressur geeignet. Aufgrund ihres ruhigen und ausgeglichenen Charakters werden sie häufig für die sog. Hippotherapie als besondere Form des therapeutischen Reitens verwendet, wobei sie sich auch für das Freizeitreiten eignen. Altkladruber Pferden können wir jedoch auch in Parks und in Städten wie Pardubice, Ostrava und Prag begegnen, wo die Pferde für Dienstzwecke bei der berittenen Polizei genutzt werden. Darüber hinaus ist das Altkladruber Pferd auch bei verschiedenen Feierlichkeiten und Kulturveranstaltungen in ganz Tschechien zu sehen.